“Wollen Verantwortung tragen”

Freudenberg Fragen an die Fraktion 1: Die Alternative Liste (AL)

pebe „Newcomer” in den Freudenberger Gremien ist seit der Kommunalwahl die Alternative Liste (AL). Mit ihrem Fraktionsvorsitzenden Hans-Dieter Wierczoch (66, Rentner) sprach die SZ über eine erste Bilanz der politischen Arbeit der AL.

SZ: War der Einzug ins Stadtparlament für Sie ein Sprung ins kalte Wasser?

Wierczoch: Nein, der „Praxisschock” ist ausgeblieben. Ich fühle mich, als ob ich seit 20 Jahren dabei wäre.

SZ: Mit welchem Anspruch ist die AL angetreten?

Wierczoch: Wir wollten bewusst die Oppositionsrolle übernehmen, um als Regulativ und Kontrolle von Verwaltung und Mehrheitsfraktionen im Rat zu agieren. Dabei wollten wir von Anfang an eigenständig bleiben, ohne uns konstruktiver Arbeit zu verweigern.

SZ: Sie arbeiten in einer Zweckgemeinschaft mit SPD und Grünen. Geht da nicht das Profil der „Neuen” verloren?

Wierczoch: Wir bleiben eine freie Wähler- gemeinschaft, sind aber grundsätzlich bereit, bei sachlichen Themen mit jeder Fraktion zusammenzuarbeiten – nicht nur
in der Zweckgemeinschaft. Wir sind keine einfachen Mehrheitsbeschaffer, sondern entscheiden von Situation zu Situation neu, wollen aber Verantwortung tragen.

SZ: Werden Sie von den “etablierten” Fraktionen akzeptiert?

Wierczoch: Die anderen haben schnell gemerkt, dass wir unser Programm strikt verfolgen. Inzwischen bekommen wir Anerkennung für unsere Arbeit. Nach außen ist die Resonanz auf unsere Arbeit allerdings noch nicht sehr groß, da setzen wir auf unsere ganz eigenen Themen, die wir nach und nach angehen wollen, z. B. die Einrichtung eines Stadtjugendrings, der als Vermittler zwischen den jungen Menschen in der Stadt und der Verwaltung und Politik auftreten soll. Da sind die Kollegin Klaudia Nöh und der Kollege Wolfgang Sensfuß sehr aktiv. Einen entsprechenden Antrag haben wir auf den Weg gebracht.

SZ: In ihrem Programm fordert die AL „büegernahe Entscheidungen“ und „sach- orientierte Lösungen”. Was heißt das für Freudenberg?

Wierczoch: Es ist ungerecht, etwas über die Köpfe der Bürger hinweg zu entscheiden. Einschneidende Maßnahmen muss ich im Vorfeld genau erklären, dann habe ich es im Entscheidungsprozess einfacher. Wichtig ist aber, dass wir Bürger nicht einfach nur alles von der Verwaltung fordern, sondern auch geben. Wir müssen als Bürger selbst etwas tun, denn die Kommune sind wir ja alle. Mehr Verantwortung in alle Köpfe kriegen, das wollen wir in Freudenberg. Und das ist nicht leicht, denn die 16 Orte sind sehr eigenständig und auf sich bezogen. Das aufzubrechen ist eine wichtige Aufgabe für Politik und Verwaltung.

SZ: Könnten Sie selbst sich Bürgerbegehren und Bürgerentscheide auf kommunaler Ebene vorstellen?

Wierczoch: Nein, so etwas halte ich hier nicht für durchführbar. Aber ich kann mir
gut vorstellen, Bürgerinitiativen zu bestimmten Themen, z. B. Schwimmbad erhalt aus vielen Gründen, zu unterstützen.

SZ: Was hat die AL in den kommenden Monaten vor?

Wierczoch: Wir werden an den Themen, die wir uns gestellt haben – verantwortliche Finanzpolitik, Sauberkeit, Sicherheit, Ordnung, Zusammenleben der Generationen, Substanzerhalt vor Abriss, ökologische Fragen – weiterarbeiten. Demnächst wollen wir uns bei den Unternehmen im Stadtgebiet umschauen. Und auf dem Altstadtfest werden wir uns mit dem Thema “Stadtjugendring” präsentieren.

SZ: Was ist für die AL das dringendste Problem der politischen Arbeit vor Ort?

Wierczoch: Die gemeinsame Suche,unabhängig von jeglichem Parteidenken, nach einer Lösung des rasant wachsenden Haushaltsdefizits und der Einnahmeverluste. Hier werden einschneidende Maß-nahmen unumgänglich sein. Alles andere
wäre unredlich.

Fragen an die Fraktionen
Seit der Kommunalwahl arbeiten die politischen Gremien in Freudenberg in Fünfer-Konstellation mit CDU, SPD, FDP, Grüne und die Alternative Liste (AL). Die SZ fragt bei den fünf Fraktionen nach, wie sie ihre Arbeit nach dem ersten halben Jahr einschätzen und welche Ziele sie für ihre Arbeit haben. Die Interviews mit den Fraktionsvorsitzenden erscheinen in den kommenden Wochen in loser Folge.

Aus Siegener Zeitung 11.06.2010

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