Ziel Gemeinschaftsschule “holpert”

Freudenberg Diskussion um gemeinsamen Antrag der Fraktionen im Rat / AL schert aus / Abweichendes Einzelvotum in der SPD

pebe • Anfang November zogen sie noch am selben Strang. Gestern, in der Sitzung des Freudenberger Rates, wurden jedoch die ersten Verwerfungen in den Fraktionen in Sachen Gemeinschaftsschule bemerkbar.

Das Stadtgremium sollte über den gemeinsamen Antrag der fünf Fraktionen entscheiden, die Verwaltung solle Schritte einleiten, um am Schulstandort Büschergrund zum 1. August 2011 eine Gemeinschaftsschule einzurichten. Bürgermeister Eckhard Günther skizzierte zunächst die Informationen, die die Verwaltung in Arnsberg erhalten hatte.

Es sei ein sorgfältiges pädagogisches Konzept unter Beteiligung von Haupt- und Realschule sowie den Eltern nötig. Das sei aber erst in einem zweiten Anlauf 2011 zu schaffen. Er sah den Antrag als Interessenbekundung, es sei ein „ergebnisoffenes Verfahren”.

Gleich darauf meldete sich Hans-Dieter Wierczoch (AL) zu Wort. Bislang habe seine Fraktion den Antrag mitgetragen. Aber nach Gesprächen mit Lehrern und Schu1leitungen und nach der bisherigen Kritik müsse “das weitere Vorgehen neu durchdacht werden”.
Die Akteure hätten sich “zu sehr unter Zeitdruck” setzen lassen und nicht die rechtzeitige Mitarbeit der Lehrkräfte und der Eltern berücksichtigt.
Ohne Zeitdruck müsse neu diskutiert werden, auch andere Schulformen seien zu bedenken.
Er nannte als Probleme z. B. die Überforderung schwacher Schüler mit einer zweiten Fremdsprache in Klasse 6, und die Differenzierung ab Klasse 7 zum Erreichen der gymnasialen Qualifikation.

Auch sei eine mögliche gymnasiale Oberstufe mit Problemen behaftet, u.a. der notwendigen Schülerzahl für die Jahrgangsstufe 11. Wenn sich abzeichne, dass „auch eine andere Schulform zweckmäßig” sei, müsse die Politik “schnellstens umdenken”.
Die Veränderungen in der Schullandschaft sollten zudem mit den anderen Kommunen abgestimmt werden.

Merklich irritiert reagierten die anderen Fraktionen auf den Vorstoß. “Gemeinsame Arbeit kann enttäuschend sein”, befand Peter Kulik (CDU).
Horst Fischer (SPDl wollte allerdings auch “den Zeit­druck rausnehmen”, Ziel sei es, dass Kinder “den bestmöglichen Schulabschluss in Freudenberg erreichen” könnten.
Beide hielten den Antrag weiter “für den richtigen Weg”, man wolle einen “Anstoß geben”.
Ebenso sahen dies Christiane Berlin (Grüne) und Rudolf Kalteich (FDP).

Nicht so Hans März (SPD) Er, Lehrer an der Realschule, stellte als Ergänzung den Antrag, die Untersuchung der Verwaltung solle auch Einrichtung wie Verbundschule und Gymnasium umfassen. Nur dann werde tatsächlich ergebnisoffen” diskutiert. Man müsse auch die Verbundschule prüfen, “besonders wenn viele Pädagogen so deutlich dagegen sind”.

Hier werde die Meinung der Lehrerinnen und Lehrer nicht ernst genug genommen.

Kornelia Busch-Pfaffe (CDU) erinnerte daran, dass im Kommunalwahlkampf alle Parteien eine Veränderung der Schullandschaft gewollt hätten. In dem nun gestellten Antrag gehe es doch erst einmal um Überlegungen, er sei „ergebnisoffen”.

Christiane Berlin betonte, dass sowohl Haupt- als auch Realschule einen sehr guten Ruf genössen und eine gute Arbeit machten. “Aber wir werden in Zukunft nicht mehr halten können, was jetzt noch da ist”, gab sie zu bedenken.
Dies war auch die Meinung von Achim Loos (CDU): “Die Zukunft wird eine ganz andere sein. Das Schulsystem kann nicht so bleiben”.

Der Antrag von Hans März wurde gegen seine eigene, einzelne Ja-Stimme abgelehnt.
Den bisherigen Antrag erweiterte Horst Fischer mit dem Hinweis, die Verwaltung solle “prüfen”, ob eine Gemeinschaftsschule eingerichtet werden könne.
Dieser Antrag fand gegen die Stimmen von AL und Hans März die Zustimmung im Rat.

Siegener Zeitung 26.11.2010

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